Investment Company Institute Geld fließt aus aktiven US-Fonds in ETFs
Der US-Fondsmarkt verschiebt sich deutlich in Richtung günstiger, transparenter und indexnaher Anlageformen.
Im amerikanischen Fondsmarkt zeigt sich ein grundlegender Wandel. Über viele Jahre standen klassische aktive Fonds im Zentrum der privaten Geldanlage. Fondsmanager wählten Aktien aus, gewichteten Branchen und versuchten, besser abzuschneiden als der Markt. Dieses Modell verliert im US-Markt deutlich an Gewicht. Ein wachsender Teil des Kapitals fließt in börsengehandelte Indexfonds, also ETFs.
Die Zahlen zeigen die Dimension dieser Entwicklung. Nach Angaben des Investment Company Institute flossen von 2016 bis 2025 rund 2,9 Billionen US-Dollar in indexnahe US-Aktienfonds und ETFs. Aktive US-Aktienfonds verzeichneten im selben Zeitraum Nettoabflüsse von rund 3,4 Billionen US-Dollar. Zudem erreichten Indexfonds Ende 2025 einen Anteil von 52 Prozent am langfristigen US-Fondsvermögen. Im März 2026 lagen indexierte Fonds und ETFs mit rund 19,1 Billionen US-Dollar weiterhin vor aktiven Produkten mit rund 17,1 Billionen US-Dollar.
Mehr als eine Kostenfrage
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Der Aufstieg der ETFs wird häufig mit niedrigen Kosten erklärt. Das ist richtig, greift aber zu kurz. ETFs verbinden mehrere Eigenschaften, die für viele Anleger attraktiv sind. Sie sind in der Regel transparent, handelbar, breit gestreut und leicht in digitale Depotlösungen einzubauen. Gerade in den USA nutzen auch Beraterplattformen und Vermögensverwalter ETFs verstärkt in Kundenportfolios.
Dazu kommt ein nüchterner Befund. Viele aktive Fonds schaffen es langfristig nicht, ihre Vergleichsindizes nach Kosten zu übertreffen. Besonders in großen, gut analysierten Aktienmärkten wie dem US-Large-Cap-Markt ist es schwierig, dauerhaft einen Mehrwert zu erzielen. Morningstar verweist für Europa auf ähnliche Muster: Aktive Aktienmanager hatten 2025 zwar teilweise bessere kurzfristige Erfolgsquoten, über längere Zeiträume sinken diese Quoten jedoch deutlich.
Für Anleger bedeutet der Wandel vor allem eine neue Grundordnung:
- Der Markt akzeptiert hohe laufende Kosten immer weniger.
- Transparenz und einfache Vergleichbarkeit gewinnen an Bedeutung.
- Aktives Management muss seinen Mehrwert klarer belegen.
- ETFs werden zunehmend zur Standardlösung für breite Marktbausteine.
Der Kipppunkt im Asset Management
Der US-Markt hat damit einen Kipppunkt überschritten. Passive Produkte sind nicht mehr nur eine Ergänzung, sondern bilden inzwischen das Schwergewicht. Das verändert die Fondsindustrie. Anbieter klassischer aktiver Fonds geraten unter Druck. Sie müssen Kosten senken, Strategien schärfen oder neue Produktformen nutzen.
Eine Antwort darauf sind aktive ETFs. Sie verbinden die Hülle des ETFs mit aktivem Management. Das Produkt ist börsengehandelt, folgt aber nicht zwingend einem starren Index. In Europa wächst dieses Segment ebenfalls, bleibt aber im Vergleich zum Gesamtmarkt noch klein. Morningstar bezifferte das Vermögen europäischer aktiver ETFs Ende des ersten Quartals 2026 auf 85,6 Milliarden Euro; das entsprach nur rund 3,1 Prozent des gesamten europäischen ETF-Vermögens.
Ob aktive ETFs den Trend zur Passivierung bremsen, bleibt offen. Sie können für bestimmte Marktsegmente sinnvoll sein. Sie ändern aber nicht den Kern der Entwicklung: Anleger verlangen niedrigere Kosten, bessere Nachvollziehbarkeit und klarere Begründungen für aktives Management.
Kritik an der Dominanz passiver Anlagen
Für die Fondsbranche ist das ein klarer Weckruf. Aktives Management verschwindet nicht. Es muss aber überzeugender erklären, wo es echten Mehrwert schafft. Für Anleger entsteht dadurch eine breitere Auswahl, aber auch eine neue Aufgabe. Nicht jedes günstige Produkt ist automatisch passend. Und nicht jeder aktive Fonds ist automatisch überflüssig."
Der ETF-Boom ruft auch Kritiker auf den Plan. Sie warnen vor einer zunehmenden Konzentration auf große Indextitel. Wenn immer mehr Geld automatisch in dieselben Aktien fließt, können Bewertungsunterschiede verstärkt werden. Große Unternehmen erhalten mehr Kapitalzuflüsse, weil sie groß sind. Kleinere oder weniger beachtete Unternehmen geraten leichter aus dem Blick.
Diese Kritik ist nicht unbegründet. Sie sollte aber sachlich eingeordnet werden. Indexfonds bestimmen nicht allein den Aktienmarkt. Das ICI weist darauf hin, dass indexnahe US-Aktienfonds und ETFs Ende 2025 rund 19 Prozent des US-Aktienmarkts hielten. Aktive Fonds hielten weitere 11 Prozent, während andere Investoren die Mehrheit stellten.
Risiken entstehen dennoch an mehreren Stellen:
- Starke Indexkonzentration kann einzelne Großunternehmen zusätzlich stützen.
- Viele ähnliche Portfolios können Marktbewegungen gleichförmiger machen.
- Die Macht großer ETF-Anbieter wächst auch bei Stimmrechten.
- Aktive Preisfindung bleibt wichtig, auch wenn passive Produkte günstiger sind.
Europa bleibt anders strukturiert
In Europa ist der Trend ebenfalls sichtbar, aber weniger weit fortgeschritten. Aktive Fonds spielen weiterhin eine deutlich größere Rolle. Gleichzeitig zeigen die Zuflüsse, dass auch europäische Anleger passive Lösungen stärker nutzen. Besonders bei großen Aktienmärkten, Standardindizes und kostensensiblen Strategien wächst der Druck auf aktive Anbieter.
Der Unterschied zu den USA liegt nicht nur in der Produktlandschaft. Europa ist stärker fragmentiert. Es gibt verschiedene Steuerregime, Vertriebswege, Sprachen und Anlegertraditionen. Dadurch verläuft der Wandel langsamer. Die Richtung bleibt dennoch ähnlich: Kosten, Transparenz und Vergleichbarkeit werden wichtiger.
Fazit
Der Abfluss aus aktiven US-Fonds in ETFs ist mehr als eine Modeerscheinung. Er markiert eine strukturelle Veränderung in der Geldanlage. Passive und indexnahe Produkte haben sich im US-Markt vom Spezialinstrument zum dominierenden Baustein entwickelt.
Für die Fondsbranche ist das ein klarer Weckruf. Aktives Management verschwindet nicht. Es muss aber überzeugender erklären, wo es echten Mehrwert schafft. Für Anleger entsteht dadurch eine breitere Auswahl, aber auch eine neue Aufgabe. Nicht jedes günstige Produkt ist automatisch passend. Und nicht jeder aktive Fonds ist automatisch überflüssig.
Entscheidend bleibt eine sachliche Einordnung. ETFs können effiziente Grundbausteine sein. Aktive Strategien können ergänzen, wenn sie nachvollziehbar, kostendiszipliniert und wirklich unterscheidbar sind.
Ich glaube, dass Menschen, die sich ihrer Ziele und Werte bewusst werden, sorgenfreier leben.










