Seit Jahresbeginn ist die gute Stimmung an den Börsen einer gewissen Skepsis gewichen

Insider sehen große Chancen Steigerungspotenzial bei europäischen Aktien

Seit Jahresbeginn ist die gute Stimmung an den Börsen einer gewissen Skepsis gewichen. Heftige Kurzzeit-Einbrüche, Angst vor steigenden Zinsen, Unwägbarkeiten wie die unsichere Lage im Nahen Osten oder der drohende Handelsstreit mit den USA haben manchem Börsianer die gute Laune verdorben.

Zwar befinden sich die Kurse nach wie vor auf hohem Niveau und von einem Crash kann keine Rede sein. Aber nach einer langen Zeit stetiger Aufwärtsentwicklung ist die Volatilität an die Märkte zurückgekehrt. Kein Grund, jetzt in Pessimismus zu machen, meint Reinhard Pfingsten, Chefanlagestratege der Bethmann-Bank. Er sieht durchaus noch Gewinnchancen bei Aktien - insbesondere bei europäischen und asiatischen Werten.

Gute Gründe für eine europäische Aktienstrategie 

Dabei besitzen amerikanische Unternehmen nach wie vor exzellente Gewinnperspektiven. Die Gewinne sind im ersten Quartal um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Für 2018 geht Pfingsten von einer Gewinnsteigerung von 19 Prozent aus, in Europa von "nur" 11 Prozent. Dennoch rät er dazu, europäische Titel zu bevorzugen. Bei US-Aktien sei bereits ein sehr hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis erreicht, europäische Aktien besäßen dagegen noch Wertsteigerungspotenzial. In der Tat hat der amerikanische Aktienindex S&P 500 in den letzten fünf Jahren um fast 65 Prozent zugelegt, der Euro Stoxx 50 schaffte dagegen nur gut 28 Prozent Plus. Für das Investment auf Euro-Basis spricht auch, dass mit einem stärkeren Euro gegenüber dem Dollar gerechnet wird. Pfingsten schätzt den Kurs mittelfristig bei 1,30 Dollar/Euro ein.

Die Gewinne amerikanischer Unternehmen sind im ersten Quartal um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen."

Er übersieht dabei nicht, dass es am Markt durchaus negative Signale gibt. Der deutsche ifo-Geschäftsklimaindex ist das fünfte Mal in Folge gesunken. Die Anleiherenditen sind dagegen gestiegen - ein Zeichen, dass an den Finanzmärkten mit höheren Zinsen gerechnet wird. Beim Geschäftsklima geht der Bethmann-Experte von einer Normalisierung der Stimmung nach übertriebener Euphorie zuvor aus. Die Zinsentwicklung hält er noch nicht für dramatisch. Gerade die EZB-Geldpolitik bereitet ihm relativ wenig Sorgen, eher schon der deutlich restriktivere Kurs der amerikanischen Fed. 

Schwächere Kursphasen gezielt nutzen 

Angesichts größerer Volatilität rät Pfingsten von einer einfachen Buy-an-Hold-Strategie ab. Stattdessen sollten Kursrücksetzer an der Börse genutzt werden, um gezielt in europäische und asiatische Werte zu investieren. Finanzwerte, Energieaktien und Branchen, die von steigenden Unternehmensinvestitionen profitieren, sind danach besonders aussichtsreich.

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