Finanzlexikon Geschlossene Fonds
Langfristige Beteiligungen mit unternehmerischem Risiko und eingeschränkter Liquidität.
Geschlossene Fonds bündeln Kapital mehrerer Anleger, um ein konkretes Projekt oder mehrere definierte Objekte zu finanzieren. Das kann eine Immobilie sein, ein Windpark, eine Beteiligung an einem mittelständischen Unternehmen oder ein Infrastrukturprojekt. Ist das geplante Eigenkapital eingesammelt, wird der Fonds „geschlossen“. Neue Anleger können dann nicht mehr einsteigen.
Im Gegensatz zu offenen Fonds gibt es keine tägliche Rückgabemöglichkeit. Die Beteiligung ist auf eine feste Laufzeit angelegt. Genau dieser Unterschied prägt Chancen, Risiken und Renditeerwartungen.
Struktur und typische Rahmendaten
Geschlossene Fonds verbinden unternehmerische Beteiligung mit langfristiger Kapitalbindung. Sie bieten höhere Zielrenditen als viele offene Fonds, verlangen dafür jedoch Geduld, Risikobereitschaft und Kostenbewusstsein. Agio, Weichkosten und eingeschränkte Liquidität beeinflussen die reale Rendite stärker als oft angenommen."
Geschlossene Fonds werden meist als unternehmerische Beteiligung konstruiert. Anleger sind wirtschaftlich Mitunternehmer. Sie tragen damit nicht nur Renditechancen, sondern auch Verlustrisiken.
In der Praxis sind typische Eckdaten:
- Mindestbeteiligung häufig 10.000 bis 25.000 Euro
- Laufzeiten meist zwischen 8 und 15 Jahren
- Ausschüttungsprognosen je nach Segment oft 4 bis 7 Prozent pro Jahr
- bei Private-Equity-Fonds auch Zielrenditen von 8 bis 15 Prozent
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Ausschüttung und Gesamtrendite. Ausschüttungen können auch aus Kapitalrückflüssen stammen und sind nicht automatisch Gewinn. Entscheidend ist, wie viel Kapital am Ende der Laufzeit insgesamt zurückfließt.
Ein Beispiel:
Ein Anleger investiert 20.000 Euro in einen Fonds mit prognostizierten 5 Prozent jährlicher Ausschüttung. Er erhält über zwölf Jahre regelmäßig Zahlungen und am Ende den Verkaufserlös. Ob die reale Rendite tatsächlich 5 Prozent beträgt, hängt von Kosten, Projektverlauf und Verkaufspreis ab.
Kostenstruktur und ihre Wirkung
Geschlossene Fonds weisen häufig höhere Anfangskosten auf als offene Fonds oder ETFs. Zwei Positionen sind besonders relevant:
- Agio, häufig rund 5 Prozent des Zeichnungsbetrags
- Weichkosten, teilweise 10 bis 20 Prozent des eingesammelten Kapitals
Das bedeutet: Von 20.000 Euro fließen unter Umständen nur rund 16.000 bis 18.000 Euro tatsächlich in das Projekt. Dieser Effekt muss erst verdient werden, bevor eine positive Rendite entsteht.
Zum Vergleich: Ein offener Immobilienfonds weist meist eine laufende Gesamtkostenquote im Bereich von 1 bis 2 Prozent pro Jahr auf. Dafür ist er deutlich liquider.
Kosten sind deshalb kein Nebenaspekt, sondern beeinflussen die reale Rendite erheblich.
Kapitalbindung und Zweitmarkt
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Die Beteiligung an einem geschlossenen Fonds ist grundsätzlich auf die gesamte Laufzeit ausgelegt.
Ein vorzeitiger Ausstieg ist nur über einen Zweitmarkt möglich. Dieser ist jedoch eingeschränkt.
Am Zweitmarkt werden Anteile häufig mit Abschlägen gehandelt.
Je nach Marktlage können diese 10 bis 30 Prozent betragen.
In schwachen Phasen kann es zudem schwierig sein, überhaupt einen Käufer zu finden.
Liquidität ist damit kein strukturelles Merkmal geschlossener Fonds.
Wer investiert, sollte das Kapital über viele Jahre entbehren können.
Rendite im Vergleich zu offenen Fonds
Geschlossene Fonds werben häufig mit höheren Zielrenditen als offene Fonds. Das ist nachvollziehbar, da Anleger längere Kapitalbindung und höheres Projektrisiko tragen.
Ein grober Vergleich typischer Bandbreiten:
- Offene Immobilienfonds: etwa 2 bis 3 Prozent pro Jahr
- Geschlossene Immobilienfonds: häufig 4 bis 6 Prozent Zielrendite
- Offene Aktienfonds oder ETFs: langfristig 6 bis 8 Prozent möglich, jedoch mit höherer Kursschwankung
Die höhere Zielrendite geschlossener Fonds ist somit eine Prämie für Illiquidität und Projektrisiko. Sie ist keine Garantie.
Risiken bis hin zum Totalverlust
Anleger tragen unternehmerisches Risiko. Bleibt ein Projekt hinter den Erwartungen zurück, können Ausschüttungen ausfallen oder reduziert werden. Im Extremfall ist ein Totalverlust möglich.
Typische Risikofaktoren sind:
- Projektverzögerungen
- Kostensteigerungen
- sinkende Marktpreise
- Finanzierungsschwierigkeiten
- regulatorische Änderungen
Im Unterschied zu offenen Fonds gibt es keine breite Streuung über hunderte Titel. Oft hängt der Erfolg an wenigen Projekten.
Einordnung im Portfolio
Geschlossene Fonds eignen sich eher als Beimischung. Sie können stabile laufende Erträge liefern, sofern das Projekt planmäßig verläuft. Gleichzeitig erhöhen sie die Komplexität und verringern die Liquidität eines Vermögens.
Wer bereits stark in illiquiden Anlagen investiert ist, sollte zusätzliche Bindungen kritisch prüfen. Wer hingegen langfristig orientiert ist und unternehmerisches Risiko bewusst eingehen möchte, kann darin eine Ergänzung sehen.
Fazit
Geschlossene Fonds verbinden unternehmerische Beteiligung mit langfristiger Kapitalbindung. Sie bieten höhere Zielrenditen als viele offene Fonds, verlangen dafür jedoch Geduld, Risikobereitschaft und Kostenbewusstsein. Agio, Weichkosten und eingeschränkte Liquidität beeinflussen die reale Rendite stärker als oft angenommen. Eine Beteiligung sollte deshalb nur erfolgen, wenn Laufzeit, Risikotragfähigkeit und Gesamtportfolio zueinander passen.
Ich glaube, dass Menschen, die sich ihrer Ziele und Werte bewusst werden, sorgenfreier leben.







