In Deutschland wird noch gerne mit Bargeld bezahlt

Welt ohne Bargeld "Jeder soll bezahlen, wie er es will"

Das Bargeld ist in das Visier von Ökonomen geraten. Manche machen sich für eine Abschaffung von Banknoten und Münzen oder zumindest für Einschränkungen bei der Bargeld-Haltung stark. Die Bundesbank lehnt das bisher strikt ab.

Bares Bezahlen scheint in einer Welt des elektronischen Zahlungsverkehrs und des kartengestützten Zahlens an POS-Terminals nicht mehr zwingend notwendig. Die Kritiker weisen dabei gerne auf die Schattenseiten von Bar-Transaktionen hin. Damit würden illegale Geschäfte, Drogenhandel und Geldwäsche erleichtert, während die unbaren Zahlungen leichter nachzuvollziehen seien. Dieses Argument scheint unmittelbar einleuchtend. Undurchsichtige Bartransaktionen sind auch dem Durchschnittsbürger ein Dorn im Auge.

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Bei negativen Zinsen lohnt sich Bargeld

Hinter dem Angriff auf Noten und Münzen steht aber eine noch ganz andere Überlegung. Die Bargeld-Haltung droht, in gewisser Weise die Niedrigzins-Politik der EZB zu konterkarieren. Solange die Zinsen sich spürbar im positiven Bereich bewegen, lohnt sich die Bargeld-Haltung nicht - es sei denn, es geht um die übliche Liquiditätsreserve für die normalen Tagesausgaben. Anders sieht das in Zeiten aus, in denen sich die Zinsen fast bei Null oder sogar darunter bewegen. Bei Nullzinsen ist es gleichgültig, ob das Geld als Einlage bei der Bank oder im Sparstrumpf zu Hause aufbewahrt wird. Bei negativen Zinsen wird die Bargeld-Haltung dagegen sogar attraktiv, denn damit können Zinsverluste vermieden werden.

Die Möglichkeit der Bargeld-Haltung begrenzt daher die Wirksamkeit eventueller weiterer Zinssenkungen der EZB. Die schreckt vor negativen Zinsen schon längst nicht mehr zurück. Banken müssen für ihre Einlagen bei der EZB bereits seit einigen Monaten einen Strafzins von 0,2 Prozent bezahlen. 

Andere Länder gegen Bargeld

Trotz der Möglichkeiten des bargeldlosen Zahlungsverkehrs steht das Zahlen mit Scheinen und Münzen bei den Deutschen nach wie vor hoch im Kurs. Fast 80 Prozent der Einkäufe werden immer noch bar bezahlt, vor allem bei Kleinbeträgen unter zwanzig Euro ist der Griff ins Portemonnaie üblich. Über die Hälfte der Umsätze findet bar statt.

Womit ich wo und wann bezahle ist ein Stück unverzichtbare Freiheit."

Auch gesetzlich ist das Bargeld bislang gegenüber anderen Formen des Bezahlens privilegiert. Es ist das einzig unbeschränkt zu akzeptierende Zahlungsmittel, für andere Formen des Bezahlens gilt das nicht. Die Bundesbank lehnt Restriktionen beim baren Bezahlen bis dato strikt ab. Carl-Ludwig Thiele, Mitglied des Bundesbank-Vorstandes, machte das erst kürzlich bei einer Konferenz erneut deutlich: "Jeder sollte bezahlen können, wie er will".

Andere Länder folgen dagegen stärker den Kritikern. Ganz vorne sind dabei Schweden und Dänemark - interessanterweise Nicht-Euro-Staaten. Hier hat das Bargeld seine Stellung als unbeschänktes Zahlungsmittel schon verloren. In Dänemark zum Beispiel müssen Tankstellen, Kioske und Restaurants ab 2016 Bares nicht mehr akzeptieren. 

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