Was Nachhaltigkeit tatsächlich bedeutet, darüber gehen die Meinungen auseinander

Fair Finance Guide Nachhaltigkeit bei Banken noch nicht angekommen

"Fair Finance Guide" - so nennt sich der Nachhaltigkeitsbericht der Berliner NGO Facing Finance 18. Der Report nimmt deutsche Banken und Sparkassen in puncto Nachhaltigkeit unter die Lupe. Darunter wird mehr verstanden als umweltorientierte Geschäftspolitik. Geprüft wird auch die Beachtung sozialer und ethischer Standards.

Der Bericht wurde vor wenigen Tagen der Öffentlichkeit vorgestellt. Es handelt sich um die sechste Auflage. Nachhaltigkeit ist anhand von 275 Kriterien aus 14 Sektoren bewertet worden. Dabei besteht bei vielen Instituten nach Meinung der Studienauftraggeber noch Nachholbedarf.

Spitzenreiter wenig überraschend

Fünf Banken schnitten in der Bewertung überdurchschnittlich gut ab: GLS Bank, EthikBank, Triodos Bank, Pax Bank und KD Bank - Bank für Kirche und Diakonie. Diese Institute erreichten im Nachhaltigkeits-Ranking jeweils mehr als 80 Prozent von möglichen 100 Prozent. Spitzenreiter ist die GLS Bank mit 96 Prozent gefolgt von der EthikBank mit 92 Prozent. Diese guten Einstufungen sind wenig überraschend, verfolgen doch drei der fünf Banken per se ein auf Nachhaltigkeit orientiertes Geschäftsmodell. Auch PAX Bank und KD Bank als kirchennahe Institute weichen vom üblichen Bankmodell ab.

Bekannte Bankmarken im unteren Drittel

Von der Marktstellung her besetzen die fünf besten Nachhaltigkeits-Banken Nischen. Die Marktschwergewichte findet man eher am unteren Ende der Skala. Deutsche Bank, HypoVereinsbank (UniCredit), DekaBank (Sparkassen), Bayern LB (Landesbanken) und DZ Bank (genossenschaftliche Bankengruppe) erfüllen zu weniger als 40 Prozent ihr Nachhaltigkeits-Versprechen und landen im unteren Drittel. Die Commerzbank hat es mit 40 Prozent knapp ins Mittelfeld geschafft. Ein Grund für das schlechte Ranking: die Geschäftsbeziehungen vieler Banken zu "kritischen" Unternehmen. Das absolute Schlusslicht bildet die Sparda Bank West mit nur 8 Prozent Nachhaltigkeit. Sie ist die zweitgrößte deutsche Sparda Bank.

Kundenzufriedenheit und Nachhaltigkeit stehen offenbar nicht miteinander im Einklang."

Aussagekraft nicht überschätzen

Interessanterweise gehören die Sparda Banken bei der Kundenzufriedenheit regelmäßig zu den am besten bewerteten Instituten. Kundenzufriedenheit und Nachhaltigkeit müssen also offenbar nicht miteinander im Einklang stehen. Dieser scheinbare Widerspruch kann aber auch noch eine andere Ursache haben. Die Bewertung hängt auch von der angelegten Messlatte ab.

Was Nachhaltigkeit tatsächlich bedeutet, darüber gehen die Meinungen auseinander. Eine allgemein akzeptierte Definition existiert nicht. Und so könnte es durchaus sein, dass die Ergebnisse des Reports - positiv wie negativ - eine Art "self fulfilling prophecy" darstellen.

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