KPMG Nachhaltigkeit zahlt sich doch aus
Warum ESG vom Leitbild zum messbaren Wirtschaftsfaktor wird.
Nachhaltigkeit hat in Europa eine neue Phase erreicht. Was lange als normatives Ziel oder regulatorische Pflicht galt, zeigt zunehmend messbare ökonomische Effekte. Unternehmen berichten nicht nur von besserer Reputation, sondern von konkreten Umsatzimpulsen, effizienteren Prozessen und höherer Wettbewerbsfähigkeit. Der europäische Wirtschaftsraum profitiert davon gleich doppelt: durch resilientere Geschäftsmodelle und eine stärkere Position im globalen Wettbewerb.
Eine aktuelle Studie liefert dafür belastbare Hinweise. Die Untersuchung „Sustainability Value Creation“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zeigt, dass 75 Prozent der befragten europäischen Unternehmen Nachhaltigkeit inzwischen als finanziell wirksam bewerten. ESG entfaltet damit eine wirtschaftliche Relevanz, die über Absichtserklärungen hinausgeht.
ESG als ökonomisches Wirkprinzip
ESG steht für Environmental (Umwelt), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Diese drei Dimensionen strukturieren nachhaltiges Wirtschaften und machen es vergleichbar. Entscheidend ist: ESG wirkt nicht isoliert, sondern entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Unternehmen berichten insbesondere von Effekten in folgenden Bereichen:
- Umsatzwachstum durch nachhaltige Produkte und Dienstleistungen
- Kostensenkung durch effizienteren Ressourcen- und Energieeinsatz
- Risikoreduktion durch stabilere Lieferketten und bessere Governance
- Marktzugang durch steigende Nachfrage institutioneller Kunden
Nachhaltigkeit wird damit zu einem operativen Faktor, nicht zu einem Zusatzprogramm.
Vom Business Case zur Umsetzungsfrage
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Die zentrale Debatte hat sich verschoben.
Die Frage, ob Nachhaltigkeit einen Business Case hat, gilt weitgehend als beantwortet.
Entscheidend ist nun, welche Maßnahmen tatsächlich Wirkung entfalten und wie Erfolge messbar werden.
Das unterstreicht auch Thimo Stoll, Partner bei KPMG in Deutschland.
Er spricht von einer klaren Neubewertung von ESG und verweist darauf, dass Nachhaltigkeit dann zum wirtschaftlichen Katalysator wird, wenn sie konsequent in Strategie, Prozesse und Steuerung integriert ist.
Einzelmaßnahmen ohne Einbettung entfalten dagegen nur begrenzte Effekte.
Europa profitiert strukturell
Die Ergebnisse haben eine übergeordnete Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Europa. Viele europäische Unternehmen sind regulatorisch früher und stärker mit ESG-Anforderungen konfrontiert worden als Wettbewerber in anderen Regionen. Was zunächst als Belastung erschien, erweist sich zunehmend als Vorteil.
Frühe Anpassung führt zu:
- höherer ESG-Transparenz
- besserer Vergleichbarkeit für Investoren
- schnellerer Lernkurve bei Umsetzung und Messung
Diese Faktoren stärken Europas Position bei institutionellen Investoren, globalen Kunden und in internationalen Lieferketten.
Messbarkeit als Erfolgsfaktor
Richtig integriert, wirkt Nachhaltigkeit als Katalysator für Umsatz, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit."
Ein zentrales Thema bleibt die Messung von ESG-Wirkung. Finanzielle Effekte müssen nachvollziehbar und überprüfbar sein, um Steuerungsrelevanz zu entfalten. Unternehmen, die ESG systematisch mit Kennzahlen verknüpfen, erzielen laut Studie häufiger positive Effekte als solche mit rein qualitativen Zielen.
Dabei rücken folgende Aspekte in den Fokus:
- klare Zieldefinitionen
- belastbare Datenstrukturen
- Verknüpfung von ESG-Zielen mit operativen Kennzahlen
- Integration in Controlling und Reporting
Nachhaltigkeit wird so Teil der unternehmerischen Steuerung, nicht nur des Berichts.
Einsatz bleibt erforderlich
Trotz positiver Effekte ist Nachhaltigkeit kein Selbstläufer. Die Studie zeigt auch, dass Erfolge dort ausbleiben, wo Maßnahmen fragmentiert oder rein kommunikativ angelegt sind. ESG erfordert kontinuierliche Investitionen, klare Verantwortlichkeiten und strategische Priorisierung.
Zugleich steigen die Erwartungen von Kunden, Investoren und Regulierern. Nachhaltigkeit wird zunehmend vorausgesetzt. Der Wettbewerbsvorteil entsteht weniger durch das „Ob“, sondern durch das „Wie“.
Fazit
Nachhaltigkeit hat sich in Europa als wirtschaftlicher Faktor etabliert. Drei von vier Unternehmen sehen inzwischen einen klaren finanziellen Nutzen aus ESG-Maßnahmen. Entscheidend ist nicht mehr die grundsätzliche Rechtfertigung, sondern die wirksame Umsetzung. Richtig integriert, wirkt Nachhaltigkeit als Katalysator für Umsatz, Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit. Für den Wirtschaftsstandort Europa bedeutet das: Frühe Regulierung und konsequente Umsetzung zahlen sich aus – vorausgesetzt, der Einsatz bleibt hoch und die Wirkung messbar.












