Marktbedeutung von ETFs wird stark übertrieben

Serie Finanzwissen: Gerd Kommer rückt Behauptungen gerade Sind ETFs wirklich so gefährlich?

Gerd Kommer ist Geschäftsführer einer anerkannten Finanzberatung für vermögende Privatkunden, Family Offices und Stiftungen sowie erfolgreicher Sachbuchautor. In seinen Veröffentlichungen hat er sich intensiv mit Indexfonds beschäftigt. Von deren Konzept ist Kommer überzeugt, er relativiert daher Warnungen vor vermeintlichen ETF-Risiken.

Tatsächlich sind mit dem durchschlagenden ETF-Erfolg Stimmen lauter geworden, die vor Gefahren von so viel geballter Marktmacht warnen. Die Kritik an Indexfonds ist allerdings nach Kommers Ansicht überzogen und stammt vor allem von Protagonisten des aktiven Fondsmanagements - also der ETF-Konkurrenz. Alleine diese Tatsache lasse Zweifel an der Berechtigung der Warnungen zu.

Die Argumente der ETF-Kritiker können laut Kommer in zwei Kategorien eingeteilt werden: 

  • in Kritik an der Konstruktion der Indexfonds,  
  • in Warnungen vor der Marktmacht der ETFs. 

Konstruktions-Risiken sind aufgebauscht 

Die Konstruktions-Kritik bezieht sich auf Risiken aus synthetisch replizierten ETFs, Leerverkaufs-ETFs und gehebelten ETFs. Die Risiken der beiden letztgenannten könnten vernachlässigt werden, da sie praktisch keine Marktrelevanz hätten. Das sieht bei synthetisch replizierten ETFs anders aus, allerdings ist auch deren Bedeutung rückläufig. Das Risiko aus Swap-Vereinbarungen und Wertpapierleihen ist bei dieser Konstruktion theoretisch gegeben, hat sich bisher aber nie praktisch manifestiert. Kommer hält diesbezügliche Befürchtungen daher für aufgebauscht. 

Die Marktmacht-Risiken resultieren aus dem Umstand, dass das Indexfonds-Investment womöglich trendverstärkend wirkt, was Blasen treibt und Crashs noch schlimmer machen kann. Kommer überzeugt auch dieses Argument nicht. Er weist darauf hin, dass ETFs in zwei Crashs - beim Platzen der DotCom-Blase und in der Finanzkrise - Stresstests erfolgreich bestanden hätten. Allerdings muss man dabei auch sagen, dass um die Jahrtausendwende bzw. 2007/2008 die Marktbedeutung der Indexfonds längst nicht so groß war wie heute. 

Marktbedeutung von ETFs wird stark übertrieben  

Doch die hält Kommer ebenfalls für übertrieben. ETF-Kritiker schätzten den ETF-Marktanteil aktuell auf 20 bis 25 Prozent. Dieser hohe Anteil in Verbindung mit dem passiven Investitionsverhalten von Indexfonds schwäche die Kapital-Allokationsfunktion der Finanzmärkte, so die Behauptung der Kritiker. 

Nach Kommer sind die von Kritikern genannten Marktanteile viel zu hoch."

ETFs führen demnach tendenziell dazu, dass Finanzmärkte weniger effizient werden. Nun wird man angesichts eines weltweiten ETF-Volumens von 4,1 Billionen Dollar eine gewisse Marktbedeutung nicht in Abrede stellen können. 

Wie hoch der Marktanteil tatsächlich ist, hängt auch davon ab, was als relevanter Markt definiert wird. Nach Kommer sind die von Kritikern genannten Marktanteile viel zu hoch, er vermutet den ETF-Anteil bei unter einem Prozent, was das Gegenteil von Marktmacht wäre. Marktbeeinflussende Effekte von Indexfonds wären demnach ein Hirngespinst. Auf die Kapitalallokation hätten ETFs überdies de facto keinen Einfluss, da bereits am Markt gehandelte Papiere erworben würden.

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