Vorstandsvorsitzende verdienen in deutschen Unternehmen durchschnittlich das 17-Fache des Durchschnittseinkommens der Mitarbeiter

Begrenzung der Gehälter und Boni angesagt? Sind Manager "jeden Cent wert"?

Ausgerechnet VW, in dessen Aufsichtsrat Vertreter des Landes und der Gewerkschaften sitzen, avancierte zum wahlkampftauglichen Negativ-Beispiel in puncto Manager-Vergütungen. Daraus auf alle Unternehmen zu schließen, wäre jedoch ein fataler Fehler.

Die Wellen der Empörung schlugen hoch, als die Details zur Vergütung von Ex-Vorstandschef Winterkorn & Co. bekannt wurden. Diese schon als obszön zu bezeichnenden Bonifikationen sind auch kein Einzelfall, wie die Deutsche Bank zeigt. Allerdings hier ein Wahlkampfthema aufzumachen, das eine gesetzliche Regulierung der Gehaltshöhe zum Ziel hat, wird den deutschen Unternehmen nicht gerecht.

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Keine Frage für den Gesetzgeber - Eigentümer in der Pflicht

Wie aktuelle Erhebungen bestätigen, verdienen Vorstandsvorsitzende in deutschen Unternehmen durchschnittlich das 17-Fache des Durchschnittseinkommens der Mitarbeiter, bei Vorstandsmitgliedern belegt das Ergebnis das 11-Fache. Je kleiner das Unternehmen ist, desto geringer klafft die Einkommensschere auseinander. Schon vor diesem Hintergrund geht das Wahlkampfgetöse in die falsche Richtung, was angesichts der konkreten Konstellation bei VW nicht einer gewissen Ironie entbehrt: Dort sitzen traditionell die Vertreter des von der SPD geführten Landes, aber vor allem auch der Gewerkschaften in dem Gremium, das die Tätigkeit des Vorstandes kontrollieren soll - wo waren die Verantwortlichen bei den Gehaltsverhandlungen? Nun als SPD die großen Widerreden zu schwingen, hinterlässt einen faden Geschmack.

Es ist doch vielmehr so, dass die Hauptversammlung, nämlich die Aktionäre und damit auch die Investoren, in Abhängigkeit von den Mehrheitsverhältnissen die Marschrichtung vorgeben: Liegt der Fokus auf kurzfristigen Profiten, an denen die Manager übermäßig partizipieren, wächst das Risiko, dass unternehmerische Entscheidungen auch nur auf diesen kurzen Zeithorizont ausgerichtet sind. Sinnvoller  wäre es doch, zumindest aus der Sicht an langfristigen Engagements interessierter Investoren, die Gehälter von vornherein anders zu gestalten.

Je kleiner das Unternehmen ist, desto geringer klafft die Einkommensschere auseinander."

Nur nachhaltige Unternehmensziele taugen als gerechter Maßstab für Bonifikationen

Fakt ist, Manager tragen eine enorme Verantwortung, die auch belohnt werden muss. Darüber hinaus stehen Sie in der Haftung für ihre Entscheidungen, auch wenn das insbesondere bei VW unter den Tisch gefallen zu sein scheint. Allein an diesen Punkten lassen sich die Manager-Vergütungen konstruktiv festmachen, indem beispielsweise der variable Anteil maximiert und der Bemessungszeitraum auf fünf Jahre ausgedehnt wird: Sollte das Unternehmen dann die gesteckten nachhaltigen Ziele erreicht haben, steht einem Manager die vereinbarte Bonifikation auch zu.

Vor allem die Möglichkeit, die Boni wegen mangelnder Leistung auch zurückzahlen zu müssen, dürfte für die Sorgfalt bei den Entscheidungen führen, die das Unternehmen wirklich voranbringt. Hier ist neben den Eigentümern vor allem der Aufsichtsrat gefragt, um mit zielgerichteten Vergütungsregeln dafür zu sorgen, dass die Manger wirklich "jeden Cent wert" sind.

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