Deutsche Banken müssten dringend ihre Geschäftsmodelle aktualisieren

Niedrige Zinsen, strikte Regulierung, innovative Finanz-Start-ups Teufelskreis deutscher Banken

Deutsche Banken sind in einem Bermudadreieck aus Niedrigzinsen, strenger Regulierung und der Bedrohung durch innovative Start-ups gefangen. Sie müssten dringend ihre Geschäftsmodelle aktualisieren, doch dazu fehlen den meisten Instituten bereits die nötigen Mittel.

Vermutlich erkennen Sie beim Besuch Ihrer Hausbank, dass das Klima der Institute von Sorgen geprägt wird. Es sind jedoch nicht nur die anhaltend niedrigen Zinsen, die deutschen Banken zu schaffen machen, es ist auch die gnadenlose und kostenintensive Regulierung durch die Bafin. Zudem formiert sich derzeit eine bedrohliche Konkurrenz durch die sogenannten Fintechs, welche mit digitalem Banking das klassische Geschäftsmodell der Filialbanken angreifen. Seitens der Bundesbank wird die aktuelle Situation als normaler Ausleseprozess definiert - ein Bankensterben ist für sie derzeit undenkbar.

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Das primäre Problem der Banken

Ungeachtet der verschiedenen Geschäftsmodelle leiden alle Institute derzeit unter den Niedrigzinsen. Noch vor zehn Jahren war die sogenannte Fristentransformation die lukrative Lebensgrundlage der meisten Bankhäuser. Sie sammelten dazu kurzfristige Einlagen zu vergleichsweise niedrigen Zinssätzen ein und wandelten diese in attraktiv verzinste Kredite mit langer Laufzeit um. Während der Zinsüberschuss vor der Finanzkrise mehr als ausreichte, ist er mittlerweile auf ein gutes Prozent zusammengeschrumpft. Zudem laufen immer mehr gut verzinste Altdarlehen aus und das lässt die Situation der Kreditinstitute eher noch schlimmer werden. 

Ein Teufelskreis

Sinkende Kreditzinsen bedeuten für die Banken geringere Margen, welche eigentlich nur durch eine intensivere Kreditvergabe auszugleichen wären. Und hier kommt die seit der Finanzkrise deutlich strengere Regulierung durch die Bafin ins Spiel. Die Finanzaufsicht erschwert die zur Kreditvergabe notwendige erhöhte Bilanzsumme, weil sie den Bankinstituten seit einigen Jahren die Vorhaltung von mehr Eigenkapitalanteilen vorschreibt. Damit sind die Institute zwar gegen Krisen von außen gewappnet, aber zum Selbsterhalt können sie nur wenig tun. 

Kosten sparen, wo immer es geht

Das von der Bundesbank für unmöglich gehaltene Bankensterben hat bereits im Jahr 2000 begonnen, seither hat sich die Anzahl klassischer Banken um ein Drittel, die der Filialen gar um 40 Prozent reduziert. Zudem wurde aus Kostengründen jeder fünfte Arbeitsplatz in der Branche gestrichen, und das Sterben geht weiter. 

Banken trauen sich nicht, den von der Zentralbank verordneten Negativzins an die private Kundschaft weiterzugeben."

Die Institute haben die Gefahr durch die Fintechs bereits wahrgenommen und würden gerne selbst auf Digitalisierung setzen. Doch reichen die liquiden Mittel trotz aller Sparmaßnahmen bei vielen Bankhäusern nicht aus. 

Negativzinsen für Privatkunden nicht in Sicht

Banken trauen sich nicht, den von der Zentralbank verordneten Negativzins an die private Kundschaft weiterzugeben, denn sie befürchten den Run auf ihre Häuser. Um die Strafzinsen einigermaßen unauffällig zu verteilen, stellen viele Institute die vormals kostenlosen Girokonten ein und treiben die Gebühren in die Höhe. Alles in allem erscheint die Situation für die meisten Banken wenig erfreulich, ein Lichtblick wären zeitnah wieder ansteigende Zinsen.

Die Rolle der Notenbanken

Dies sehen wir jedoch nicht, da die Zentralbanken gefangen sind zwischen ihren ursprünglichen Zielen der Geldwertstabilität und ihrer neu dazu genommenen Zielen der indirekten Finanzierung der Staaten. Aufgrund der globalen Ausweitung der Verschuldung der Staaten und der damit verbundenen Zinsbelastung, können sich die Staaten eigentlich keine höheren Zinsen leisten. Dies würde zu deutlichen Belastungen  der Staatshaushalten führen, was unweigerlich höhere Steuern zur Folge hat oder zu einer weiteren Finanzierung auf Pump! Beides würde die aktuelle Erholung der Konjunktur zu nichte machen. 

Nicht nur die Banken stecken in einem Teufelskreis, sondern auch die Notenbanken. Eine zu schnelle Zinserhöhung würde die Konjunktur abwürgen. Ein über Jahre niedriges Zinsniveau belastet nicht nur die Banken, sondern auch die Sparer leiden darunter.

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