Paradigmenwechsel in einem zentralen ETF-Prinzip Transparenz im Wandel
Transparenz gehört zu den Kernmerkmalen, die den Erfolg börsengehandelter Fonds geprägt haben. Anleger konnten sich täglich darüber informieren, welche Werte ein ETF hält – ein entscheidender Unterschied zu traditionellen Fonds. Doch dieses Prinzip wird nun abgeschwächt.
Luxemburg und Irland, die wichtigsten europäischen Domizile für ETFs, haben ihre Regeln angepasst: Aktive ETFs müssen ihr Portfolio nicht mehr täglich offenlegen, sondern nur noch einmal monatlich, und das mit erheblicher Verzögerung. Damit übernimmt Europa ein Modell, das die SEC in den USA bereits 2019 eingeführt hat. Es ermöglicht aktiven Anbietern, ihre Strategien im ETF-Mantel umzusetzen, ohne ihre Positionen sofort offenlegen zu müssen. Das ändert die Architektur des ETF-Marktes – und die Erwartungen der Anleger.
Warum Transparenz bisher so wichtig war
Der tägliche Einblick in die Portfoliozusammensetzung war viele Jahre ein zentrales Verkaufsargument. Er erleichterte Preisbildung, Risikobewertung und Vergleichbarkeit. Zudem ermöglichten vollständige Offenlegungen autorisierten Marktteilnehmern, den ETF präzise gegenüber seinem Index zu handeln.
Bei aktiven Strategien entstehen jedoch Zielkonflikte: Fondsmanager wollen nicht, dass ihre Positionierung sofort sichtbar wird. Konkurrenz und schnelle Nachahmer können die Wirksamkeit der Strategie mindern. Durch die neuen europäischen Lockerungen wird diese Spannung entschärft. Anbieter erhalten Freiraum, der bislang nur dem US-Markt zur Verfügung stand.
Wesentliche Unterschiede zwischen alter und neuer Transparenzpraxis:
- tägliche Offenlegung → monatliche Offenlegung
- volle Transparenz → Verzögerung von bis zu 30 Tagen
- Informationssymmetrie für Anleger → stärkere Gewichtung des Anlageschwerpunkts gegenüber Einzelpositionen
Das bedeutet nicht das Ende der Transparenz, aber eine Verschiebung: vom operativen Detail hin zur strategischen Ebene.
Warum Aufsichten die Lockerung zulassen
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Sowohl die CSSF in Luxemburg als auch die irische Zentralbank sehen in der Anpassung eine Möglichkeit, den europäischen ETF-Markt weiterzuentwickeln.
Der Markt für aktive ETFs wächst weltweit, doch Europa hinkte bislang hinterher.
Anbieter wie Fidelity International signalisierten früh, dass tägliche Offenlegung für viele aktive Strategien ungeeignet sei.
Die Anpassung soll Innovation fördern, ohne die Anlegersicherheit zu gefährden.
Durch monatliche Daten, Zielbeschreibungen und Risikoangaben bleibt die grundlegende Transparenz erhalten, während operative Details geschützt werden.
Der Wettbewerb zwischen den Domizilen hat diesen Prozess beschleunigt: Wo neue Strukturen erlaubt sind, siedeln sich Fonds schneller an.
Chancen und Risiken für Anleger
Der Informationsgehalt aktiver ETFs verändert sich. Für Anleger bleibt die strategische Orientierung klar: Ziel, Marktsegment, Stil, Risikoklasse. Was sich ändert, ist der Zugriff auf die Feinsteuerung.
Mögliche Vorteile:
- aktive Strategien können breiter angeboten werden
- geringere Gefahr des „Front-Runnings“ durch andere Marktteilnehmer
- mehr Vielfalt im ETF-Universum, insbesondere bei US-Aktien und thematischen Ansätzen
Mögliche Nachteile:
- geringere Nachvollziehbarkeit täglicher Risiken
- höhere Ansprüche an das Vertrauen in den Anbieter
- erschwerte Kontrolle der tatsächlichen Umsetzung des Mandats
Für passive Anleger ändert sich wenig. Für aktive ETF-Interessenten jedoch steigt die Bedeutung von Due Diligence, Risikoprofilen und Anbieterstabilität.
Strukturwandel im ETF-Markt
Die Lockerung der Transparenz-anforderungen erlaubt mehr aktive Strategien im ETF-Mantel, verschiebt aber die Balance zwischen Einblick und Schutz geistigen Kapitals."
Der Schritt von Fidelity, eine Serie aktiv geführter US-Aktien-ETFs unter der neuen Regelung aufzulegen, ist ein Signal. Es ist wahrscheinlich, dass weitere Häuser folgen – besonders solche, die bisher klassische aktive Fonds managen.
Damit entsteht eine hybride Produktkategorie: operativ aktiv, strukturell ETF, regulatorisch weniger transparent als passive Pendants. Dieser Wandel wird die europäische ETF-Landschaft langfristig verändern.
Fazit
Die Lockerung der Transparenzanforderungen markiert eine neue Phase für den ETF-Markt. Sie erlaubt mehr aktive Strategien im ETF-Mantel, verschiebt aber die Balance zwischen Einblick und Schutz geistigen Kapitals. Für Anleger bedeutet das: mehr Auswahl, aber auch höhere Anforderungen an Analyse und Anbieterbewertung.
Ich glaube, dass die Zusammenarbeit mit motivierten Menschen auf beiden Seiten zusätzliche Energie freisetzt












