Allein Italien muss Zinsen von 2,3 Billionen Euro und damit immerhin 130 Prozent des BIP stemmen

Europa weiterhin mit mickrigen Renditen US-Staatsanleihen bieten 3%

US-Staatsanleihen locken mit zunehmend attraktiven Renditen, was nicht nur Begeisterung verursacht: Somit wird die Finanzierung der Staatsschulden deutlich aufwendiger, was auch für Europa wichtig werden könnte.

Die Entwicklung auf dem US-Anleihemarkt dürfte sich über kurz oder lang auch auf andere Märkte auswirken, schließlich handelt es sich um den größten Kapitalmarkt weltweit. Ein Indiz sind die bereits gestiegenen Renditen der EU-Staatsanleihen mit langen Laufzeiten, wie beispielsweise die zehnjährigen Bundespapiere, die von 0,5 auf 0,64% anzogen - sich allerdings immer noch auf einem ausgesprochen niedrigen Niveau bewegen.

Große Verwerfungen auf den Märkten unwahrscheinlich

Angesichts der hohen Staatsverschuldung dürften insbesondere die südeuropäischen Länder unter erhöhenden Anleiherenditen zu leiden haben: Allein Italien muss Zinsen von 2,3 Billionen Euro und damit immerhin 130 Prozent des BIP stemmen, da diese Staatsanleihen so aufgelegt sind, dass sie die vereinbarte Rendite für mehrere Jahre festschreiben. Sollten die Zinsen also steigen, wirkt sich das nicht direkt, sondern erst einige Jahre später auf die Zinskosten des Staates aus. Gerade Italiens Anleihen sind mit durchschnittlich 7,5 Jahren ausgesprochene Langläufer. Umso gelassener kann das Land auf sämtliche Unwägbarkeiten, seien dies nun politische Unsicherheiten oder Schwankungen auf den Kapitalmärkten, reagieren. Dies zeigte sich schon anlässlich der EZB-Entscheidung, die monatlichen Anleihe-Aufkäufe von einst 80 Milliarden Euro auf aktuell 30 Milliarden Euro zurückzufahren.

Die Entwicklung auf den US-Anleihemarkt dürfte sich über kurz oder lang auch auf andere Märkte auswirken."

Darüber hinaus konnten die Staaten angesichts des extrem niedrigen Zinsniveaus auch langfristige Anleihen sehr günstig vergeben: Im Vergleich zur durchschnittlichen Verzinsung der italienischen Staatsanleihen über zehn Jahre, die bei rund 3,5% liegt, muss das Land derzeit nur 1,77% jährlich aufwenden, um Kapital zu akquirieren. Bei kürzeren Laufzeiten reduziert sich die Verzinsung nochmals drastisch. Bis sich die Schuldenlast spürbar erhöht, müssten die Zinsen generell um einiges steigen. 

Trotzdem dürfen die Marktkonditionen natürlich im Blick behalten werden, da die Schuldenbelastung in vielen Fällen nicht zum Wirtschaftswachstum passt. Vor diesem Hintergrund lässt sich dann auch nachvollziehen, dass Italien selbst auf diesem niedrigen Niveau von Spanien und Portugal in puncto Anleiherenditen unterboten wird: Bislang kann die italienische Wirtschaft die Erwartungen nämlich nicht erfüllen, Standard & Poors vergab BBB - eine Aussicht auf gravierende Veränderung besteht derzeit nicht und damit auch keine Lösung für die langfristige Sicherung der Schuldentragfähigkeit.

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