Die FED.

Steht eine Rezession bevor? Zinskurve von US-Staatsanleihen verunsichert

In normalen Zeiten steigen die Anleiherenditen mit der Laufzeit. Je länger die Restlaufzeit einer Anleihe ist, umso rentierlicher ist sie. Man spricht dann von einer steigenden Zinskurve. Liegen die Renditen länger laufender Papiere dagegen unter denen von "Kurzläufern", liegt eine inverse Zinsstruktur vor. Sie gilt als "Alarmzeichen" für eine drohende Rezession.

Schaut man sich die US-Zinsentwicklung an, dann scheinen sich die Zinsen in Richtung einer inversen Zinskurve zu bewegen. Derzeit liegen die Renditen von US-Staatsanleihen mit 3 Jahren Restlaufzeit geringfügig über denen von Papieren mit 5 Jahren Restlaufzeit. Ein vorübergehender "Ausreißer" oder eine bemerkenswerte Zinswende? 

Zinskurve und Rezession - wo ist der Zusammenhang?

Warum soll eine inverse Zinskurve überhaupt auf eine Rezession hindeuten? Die Erklärung dafür ist einfach: befürchten Anleger eine schwächere Konjunktur, rechnen sie auch mit sinkenden Zinsen am Markt. In der Folge investieren sie bevorzugt in Langläufer, um sich die heute noch höheren Renditen "dauerhaft" zu sichern. Dies führt zu einem Nachfragedruck bei langfristigen Anleihen, der die Kurse treibt und die Renditen belastet. Am kurzen Ende tut sich dagegen vergleichsweise wenig. Die Zinskurve verflacht dadurch zusehends und wird im Extremfall invers. 

In den USA hat allerdings die Fed mit ihrer Politik fortgesetzter Zinserhöhungen ebenfalls zur Zinskurven-Anomalie beigetragen. Erfahrungsgemäß wirken Leitzins-Veränderungen vor allem bei den kurzfristigen Zinssätzen, während die längerfristigen Zinssätze ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgen.

Alleine 2017/2018 gab es bisher sechs Zinsschritte. Seit Jahresbeginn ist die Durchschnitts-Rendite bei US-Anleihen mit sechsmonatiger Restlaufzeit - nicht zuletzt infolge höherer Leitzinsen - um 1,026 Prozentpunkte gestiegen, bei zehnjährigen Papieren sind es nur 0,55 Prozentpunkte. 

Trotz der aktuellen Befürchtungen läuft die US-Konjunktur immer noch rund."

Warnung vor Überinterpretation 

Trotz der aktuellen Befürchtungen läuft die US-Konjunktur immer noch rund. Aber die Unsicherheit ist größer geworden - unter anderem, weil sich durch den von Trump vom Zaun gebrochenen internationalen Handelsstreit die weltwirtschaftlichen Perspektiven insgesamt eingetrübt haben. Ob die jetzt verkündete Einigung mit China im Handelskonflikt etwas wert ist, muss sich erst noch zeigen. Aber eine drohende Rezession? Die US-Wirtschaftsdaten bieten dafür heute wenig Anlass. 

Bei der aktuellen "Zins-Delle" in der US-Zinskurve kann auch noch nicht von einer inversen Zinsstruktur gesprochen werden. Es handelt sich höchstens um eine Andeutung davon. In der Vergangenheit musste der gesamte Bereich, also die Differenz zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinsen negativ sein und es mussten die Arbeitslosenzahlen wieder gestiegen sein, erst dann kam es mit einer hohen Wahrscheinlichkeit zu einer Rezession in den darauf folgenden Jahren. Insofern sollte man sich vielleicht vor "Überinterpretationen" hüten.

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