Mit einem Exportüberschuss in Milliardenhöhe sorgt Deutschland regelmäßig für Verärgerung

Erfolg kann auch lästig sein Der deutsche Exportüberschuss

Mit einem Exportüberschuss in Milliardenhöhe sorgt Deutschland regelmäßig für Verärgerung. Als Gründe werden bevorzugt Rohstoffpreise oder die Schwäche des Euro angeführt, allerdings liegen die Ursachen hauptsächlich im eigenen Land.

Er wird als Erfolg verkauft, was nicht zuletzt der Bezeichnung geschuldet ist: Ein Überschuss gilt per se als etwas Positives, dabei müsste die Bezeichnung korrekt "Importdefizit" lauten. Das Ungleichgewicht zwischen Ex- und Importen schlägt in Deutschland seit Jahren deutlich zugunsten der eigenen Volkswirtschaft aus, was zwangsläufig mit Defiziten bei den Handelspartnern einhergeht. Verärgerung ist vorprogrammiert, die Diskussionen verschärfen sich.

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Deutschland gegen den Rest der Welt - jedenfalls in puncto Exporte

Auf rund 8,8 Prozent vom BIP belief sich im Vorjahr der deutsche Exportüberschuss, die Vorwürfe der Währungsmanipulation machen selbst beim IWF die Runde. Es stellen sich also einige Fragen, soll dieses Phänomen geklärt werden.

Warum ist die deutsche Wirtschaft so wettbewerbsfähig?

Es war nicht zuletzt die Agenda 2010, die Deutschland wieder an die Spitze der Export-Nationen beförderte: Lohnzurückhaltung in Verbindung mit Arbeitsmarktreformen stärkten die Wettbewerbsposition der deutschen Unternehmen über die Maßen, sie konnten also bei hoher Qualität deutlich günstiger anbieten. Heute bestätigt das Weltwirtschaftsforum, dass Deutschland ausgesprochen gut aufgestellt ist, auch wenn diese Aussagen in Bezug auf Infrastruktur und Innovation nicht für die lange Sicht taugen. 

Generell hat die Agenda 2010 aber auch negative Seiten: Die Konsumquote ist wieder auf 53,4 Prozent und damit unter das Niveau der Zeit zwischen 1991 und 2009 gesunken. Damit schrumpft auch die Importnachfrage, was wiederum die Exporte relativ steigen lässt. Ein weiteres Risiko liegt in den fehlenden Innovationen, da Unternehmen sich deutlich stärker im Ausland engagieren. Das wird über kurz oder lang auf die eigene Wettbewerbsfähigkeit zurückschlagen.

Es war nicht zuletzt die Agenda 2010, die Deutschland wieder an die Spitze der Export-Nationen beförderte."

Welche äußeren Faktoren begünstigen die Exportüberschüsse?

An erster Stelle ist die Geldpolitik der EZB zu nennen, denn für die deutsche Wirtschaftsstärke ist die Gemeinschaftswährung ganz einfach zu schwach. Ausländer können demnach relativ günstig hier einkaufen, auch die extrem niedrigen Zinsen fördern diese Entwicklung. Da der Euro jedoch für die unterschiedlich starken Volkswirtschaften im Währungsraum funktionieren muss, laufen die Vorwürfe von Donald Trump, hier würde manipuliert, wohl ins Leere. Ein weiterer Faktor sind die Rohstoffpreise - an erster Stelle sei Öl genannt -, die seit 2014 deutlich billiger importiert werden können. 

Natürlich spielt auch die Weltkonjunktur eine Rolle, die in den letzten Jahren kräftig angezogen hat: Vor allem aus den BRICS stieg die Nachfrage nach deutschen Produkten wieder an und die weiteren Aussichten sind durchaus positiv. Selbst in den Nachbarländern innerhalb des Euroraums, deren Konjunktur seit Jahren von der EZB stimuliert wird, erwarten die Experten eine Erholung - was den deutschen Export wiederum stärkt.

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