Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Schattenseiten erkennbar Konjunkturoptimismus allerorten

Derzeit scheint kaum etwas die gute Stimmung trüben zu können, wenn es um die Wirtschaftsaussichten für das gerade begonnene Jahr geht. Die Wachstumsprognosen für Deutschland wurden zuletzt deutlich angehoben. Mit einem Plus von 2,6 Prozent wird 2018 gerechnet. Und das Geschäftsklima ist ausgezeichnet wie selten zuvor.

Tatsächlich hat es so etwas selten gegeben. Deutschlands Wirtschaft wächst im achten Jahr und die Beschäftigung erreicht immer neue Rekordstände. Die Einkommen steigen ebenso wie die Steuereinnahmen. Der weltwirtschaftliche Rahmen ist günstig. Denn die Konjunktur entwickelt sich auch im globalen Maßstab positiv - beste Perspektiven für deutsche Exporte. Da scheinen pessimistischere Einschätzungen wenig begründet.

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Es ist nicht alles Gold, was glänzt 

Doch sie sind durchaus angebracht. Denn wie so oft gilt auch hier die Redensart: "Es ist nicht alles Gold, was glänzt". Manches von unserem wirtschaftlichen Erfolg ist nicht hausgemacht. Einen guten Teil zum deutschen Wachstum trägt der Euro bei. Er sorgt dank günstiger Verschuldungsmöglichkeiten und fehlender Anlagealternativen für einen Nachfrageschub. Die anhaltenden Niedrigzinsen können aber zu einer gefährlichen Fehlsteuerung führen. Investitionen, Konsum und Exporte drohen dadurch im Verhältnis zueinander in eine Schieflage zu geraten. 

Bereits jetzt zeigt die deutsche Wirtschaft in einigen Bereichen Zeichen einer Überhitzung. Manches Unternehmen stößt an seine Kapazitätsgrenze und hat Mühe, noch genug qualifizierte Arbeitskräfte für die Auftragsabarbeitung zu finden. Noch schlägt sich dies nicht in einer wachsenden Inflation nieder. 

Sollte es zu einer Neuauflage der Großen Koalition kommen, sind vermutlich eher soziale Wohltaten zu erwarten als energische Reformschritte."

Das muss aber nicht so bleiben. Spätestens dann stünde die Zinspolitik der EZB zur Disposition. Sollten die Zinsen irgendwann wieder steigen, wäre es mit der guten Lage etlicher hochverschuldeter Unternehmen schnell vorbei. Viele müssten dann Insolvenz anmelden. 

Fehlanzeige bei Reformen 

Was ebenfalls Sorge bereitet, ist eine gewisse Bequemlichkeit, die sich breit macht. Wem es besonders gut geht, neigt gerne dazu, notwendige Reformen, Vorsorge und Investitionen zu vernachlässigen. Dabei bestehen Deutschlands Handicaps - eine alternde Gesellschaft, Infrastruktur-Defizite, Nachholbedarf bei der Digitalisierung usw. - fort. 

Doch derzeit ist wenig Reformfreude erkennbar. Auf Bundesebene dauert die politische Hängepartie an. Sollte es zu einer Neuauflage der Großen Koalition kommen, sind vermutlich eher soziale Wohltaten zu erwarten als energische Reformschritte. Diese Trägheit könnte sich irgendwann bitter rächen.

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