Wegen Corona befinden sich die Volkswirtschaften weltweit im Krisenmodus

Näher betrachtet Phasen einer Börsenblase

Wegen Corona befinden sich die Volkswirtschaften weltweit im Krisenmodus. Die Aktienkurse steigen dennoch weiter. Viele Anleger fragen sich, ob wir das Entstehen einer Blase beobachten und ob ein Crash bevorsteht.

Um sich einer Antwort anzunähern, analysieren Redakteure des Schweizer Wirtschaftsportals 'HZ' die aktuelle Situation an den Börsen mit Hilfe eines von Hyman P. Minsky entwickelten Modells. Minsky ist ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, der stark durch die Theorien von Keynes geprägt wurde. Er entwarf ein Modell, das erklärt, wie aus einer boomenden Wirtschaft heraus eine Finanzkrise entsteht.  

Die fünf Phasen einer Spekulationsblase, wie Hyman P. Minsky sie 1986 definierte:

  • Die Anlegerschaft entdeckt ein neues Narrativ, warum ein Aufschwung zu erwarten ist. Diese erste Phase wird auch als Ablösung bezeichnet.
  • Zieht die neue Story größere Kreise, springen immer mehr Anleger auf den fahrenden Zug auf. Die Medien spielen bei der Verbreitung eine wichtige Rolle.
  • Es folgt die Phase der Euphorie. Aus Angst, etwas zu verpassen, schwindet die Vorsicht der Anleger. Der Wert eines Unternehmens, einer Immobilie oder anderer Vermögenswerte spielt bei der Kaufentscheidung so gut wie keine Rolle mehr. Die Mehrheit der Anleger spekuliert auf den schnellen Kursanstieg.
  • Die vierte Phase wird gelegentlich als 'Dienstmädchenhausse' bezeichnet, weil in dieser fortgeschrittenen Phase häufig unerfahrene Kleinanleger in den Markt drängen. Besser Informierte nutzen die Gelegenheit, um Gewinne zu realisieren. In der  Berichterstattung finden sich Begriffe wie 'Konsolidierung'.
  • Die fünfte Phase lässt sich am treffendsten mit dem Wort Panik beschreiben. Unter Umständen sorgt eine einzige Information für das Platzen der Blase. Der Absturz ist steil, weil mit den ersten Verkäufen eine Spirale in Gange gesetzt wird. Anleger, die in der Phase der Euphorie auf Kredit gekauft haben, werden zum Verkauf gezwungen. Da es an Käufern fehlt, rauschen die Kurse in den Keller. Vom Platzen der Blase sind in der Regel nicht nur Aktien, sondern auch andere Vermögenswerte betroffen.

Die Aktienkurse steigen trotz Corona weiter."

Minskys Thesen blieben lange Zeit weitgehend unbeachtet, bis sie in der 2007er Bankenkrise überraschend eine Bestätigung fanden.

Aber auch das Platzen der Dotcom-Blase folgte diesem Muster. Wer das Modell von Minsky auf die aktuelle Situation überträgt, braucht nicht viel Phantasie, um die Vorboten eines drohenden Crashs zu erkennen.

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