Schweizer Notenbankchef Rückkehr zu Negativzinsen möglich
Warum die Geldpolitik der Schweiz wieder Spielraum nach unten signalisiert.
Negativzinsen galten lange als Ausnahmeinstrument der Geldpolitik. Nach Jahren extrem niedriger Zinsen und einer anschließenden Phase deutlicher Straffung schien dieses Kapitel abgeschlossen. Doch nun rückt das Thema erneut in den Fokus. Der Präsident der Schweizerische Nationalbank, Martin Schlegel, schließt eine Rückkehr zu Negativzinsen ausdrücklich nicht aus. Zwar seien die aktuellen Nullzinsen aus Sicht der Notenbank angemessen, doch entscheidend bleibe ein einziges Ziel: Preisstabilität.
Diese Aussage ist weniger ein konkretes Signal für eine bevorstehende Maßnahme als ein Hinweis auf geldpolitische Flexibilität. Die SNB hält sich bewusst alle Optionen offen.
Preisstabilität als alleiniger Maßstab
Nullzinsen gelten derzeit als angemessen, bleiben aber kein Endpunkt. Negativzinsen sind kein Tabu, sondern ein mögliches Instrument für den Fall neuer deflationärer Risiken."
Für die Schweizerische Nationalbank ist Preisstabilität das übergeordnete Kriterium. Weder Wachstum noch Wechselkursentwicklung stehen offiziell im Zentrum der geldpolitischen Zielsetzung. Entsprechend richtet sich auch die Zinsentscheidung ausschließlich an der Inflationsentwicklung aus.
Aktuell bewegt sich die Inflation in der Schweiz in einem moderaten Bereich. Das erlaubt der SNB, die Leitzinsen bei null zu belassen. Gleichzeitig macht die Notenbank deutlich, dass dieser Zustand kein Dogma ist. Sollte sich der Inflationsdruck weiter abschwächen oder in Deflationsrisiken übergehen, wären auch unkonventionelle Maßnahmen erneut denkbar.
Die geldpolitische Logik bleibt dabei klar:
- Preisstabilität hat Vorrang vor allen anderen Zielen
- Zinshöhe ist kein Selbstzweck, sondern ein Instrument
- auch negative Zinsen bleiben grundsätzlich einsetzbar
Diese Klarstellung signalisiert Berechenbarkeit im Ziel, aber Flexibilität im Instrumentarium.
Warum Negativzinsen für die Schweiz kein Tabu sind
Die Schweiz unterscheidet sich strukturell von vielen anderen Volkswirtschaften. Der Franken gilt als sicherer Hafen. In Phasen globaler Unsicherheit steigt die Nachfrage nach der Währung, was Aufwertungsdruck erzeugt. Dieser kann die Preisentwicklung dämpfen und die Exportwirtschaft belasten.
Negativzinsen waren in der Vergangenheit ein Mittel, um diesen Druck abzufedern. Auch wenn die SNB diesen Zusammenhang nicht in den Vordergrund stellt, bleibt er Teil des geldpolitischen Umfelds.
Typische Effekte, die dabei eine Rolle spielen, sind:
- Abschwächung starker Kapitalzuflüsse
- Dämpfung von Aufwertungsdruck auf den Franken
- Stabilisierung der inländischen Preisentwicklung
Die erneute Offenheit gegenüber Negativzinsen zeigt, dass diese Zusammenhänge weiterhin berücksichtigt werden.
Nebenwirkungen bleiben Teil der Abwägung
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Negativzinsen sind kein neutrales Instrument.
Sie belasten Sparer, drücken die Ertragslage von Banken und können Anlageentscheidungen verzerren.
Diese Nebenwirkungen sind bekannt und wurden in der Schweiz intensiv diskutiert.
Gerade deshalb ist die aktuelle Kommunikation der SNB bemerkenswert.
Sie deutet nicht auf einen Strategiewechsel hin, sondern auf eine nüchterne Abwägung.
Negativzinsen gelten nicht als wünschenswert, aber als zulässig, wenn das Ziel der Preisstabilität es erfordert.
Signalwirkung für Märkte und Institute
Für Finanzmärkte ist die Aussage von Bedeutung, auch ohne unmittelbare Zinsschritte. Sie macht deutlich, dass die Untergrenze der Geldpolitik nicht fix ist. Das beeinflusst Erwartungen an Zinsverläufe, Wechselkurse und langfristige Renditen.
Für Banken und Anleger bedeutet dies vor allem eines: Planungssicherheit entsteht nicht durch feste Zusagen, sondern durch klare Zielhierarchien.
Fazit
Die Aussage des SNB-Präsidenten, eine Rückkehr zu Negativzinsen nicht auszuschließen, ist kein unmittelbares Zinssignal, sondern ein strategisches. Sie verdeutlicht, dass für die Schweizerische Nationalbank allein die Preisstabilität zählt. Nullzinsen gelten derzeit als angemessen, bleiben aber kein Endpunkt. Negativzinsen sind kein Tabu, sondern ein mögliches Instrument für den Fall neuer deflationärer Risiken. Für Märkte und Institute bedeutet das: Geldpolitik bleibt flexibel, berechenbar im Ziel – und offen im Weg dorthin.
Ich glaube, dass Menschen, die sich ihrer Ziele und Werte bewusst werden, sorgenfreier leben.











