Ein zentraler Faktor sind die anstehenden Zwischenwahlen zum US-Kongress im November

Berenberg-Ökonom Trump dürfte weiter bellen, aber weniger beißen

Innenpolitischer Druck als begrenzender Faktor für wirtschaftspolitische Risiken.

Die wirtschaftspolitischen Turbulenzen aus den vergangenen Jahren könnten sich abschwächen. Zu dieser Einschätzung kommt Holger Schmieding, Chefvolkswirt des Bankhauses Berenberg. US-Präsident Donald Trump dürfte nach seiner Analyse in diesem Jahr weniger Maßnahmen ergreifen, die die US- und Weltwirtschaft erheblich belasten könnten.

Schmieding verweist dabei vor allem auf innenpolitische Zwänge. Die Popularität des Präsidenten sei gesunken, nicht zuletzt weil viele Bürger ihn für hohe Preise und anhaltende Inflation (anhaltender Anstieg des allgemeinen Preisniveaus) verantwortlich machten. Wirtschaftspolitische Entscheidungen mit unmittelbaren Preiswirkungen könnten daher politisch riskant sein.

Zwischenwahlen als Stabilitätsfaktor

Ein zentraler Faktor sind die anstehenden Zwischenwahlen zum US-Kongress im November. In Wahljahren steigt in der Regel die Sensibilität gegenüber wirtschaftlichen Belastungen für die Bevölkerung. Maßnahmen, die Importpreise erhöhen oder Handelskonflikte verschärfen, könnten direkt auf Verbraucherpreise durchschlagen.

Aus ökonomischer Sicht gilt: Handelsbarrieren oder Strafzölle verteuern Importe, was sich in höheren Produktionskosten und letztlich in steigenden Endpreisen niederschlagen kann. In einem Umfeld, in dem Inflation bereits als Problem wahrgenommen wird, wächst der politische Druck zur Zurückhaltung.

Schmiedings These lautet daher sinngemäß: Rhetorische Zuspitzungen bleiben möglich, substanzielle wirtschaftliche Eskalationen hingegen weniger wahrscheinlich.

Märkte zwischen Rhetorik und Realität

Finanzmärkte reagieren sensibel auf politische Ankündigungen. Volatilität (Schwankungsintensität von Kursen) kann steigen, wenn Investoren Unsicherheit über Handels- oder Steuerpolitik wahrnehmen. Entscheidend ist jedoch, ob Worten konkrete Maßnahmen folgen.

In der Vergangenheit führten handelspolitische Spannungen zu kurzfristigen Marktbewegungen. Langfristig erwiesen sich viele Ankündigungen jedoch als weniger folgenreich als befürchtet. Märkte differenzieren zunehmend zwischen politischer Rhetorik und tatsächlicher Gesetzgebung.

Für Investoren bedeutet das:

  • politische Schlagzeilen erzeugen kurzfristige Schwankungen
  • strukturelle Wirtschaftsdaten behalten mittelfristig größere Bedeutung
  • Wahlzyklen beeinflussen politische Risikobereitschaft

Die Einschätzung von Berenberg impliziert somit ein moderateres Risikoszenario für 2026.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Holger Schmieding erwartet, dass Donald Trump 2026 wirtschaftspolitisch zurückhaltender agieren dürfte, da innenpolitischer Druck und bevorstehende Zwischenwahlen restriktiv wirken. Maßnahmen mit potenziell preistreibender Wirkung erscheinen politisch riskant."

Neben politischem Kalkül spielen makroökonomische Faktoren eine Rolle. Die US-Wirtschaft befindet sich in einer Phase erhöhter Zinsen, die von der Zentralbank zur Inflationsbekämpfung eingesetzt wurden. Höhere Zinsen verteuern Kredite und können Investitionen dämpfen.

In diesem Umfeld wären zusätzliche handelspolitische Belastungen potenziell wachstumshemmend. Auch globale Lieferketten reagieren sensibel auf neue Handelsbarrieren. Internationale Unternehmen planen Investitionen langfristig und benötigen stabile Rahmenbedingungen.

Grenzen der Prognose

Gleichwohl bleibt politische Unsicherheit ein Faktor. Wahlstrategische Überlegungen können sich ändern. Zudem können geopolitische Entwicklungen kurzfristige Reaktionen erzwingen. Prognosen über politische Zurückhaltung sind daher mit Vorsicht zu betrachten.

Kapitalmärkte bewerten nicht nur aktuelle Maßnahmen, sondern Erwartungen über künftige Politik. Selbst verbale Ankündigungen können Risikoprämien (Zusatzrendite für Unsicherheit) beeinflussen.

Fazit

Holger Schmieding erwartet, dass Donald Trump 2026 wirtschaftspolitisch zurückhaltender agieren dürfte, da innenpolitischer Druck und bevorstehende Zwischenwahlen restriktiv wirken. Maßnahmen mit potenziell preistreibender Wirkung erscheinen politisch riskant. Für die Finanzmärkte könnte dies ein stabilisierender Faktor sein, auch wenn rhetorische Zuspitzungen anhalten.

Ob politische Zurückhaltung tatsächlich eintritt, hängt letztlich vom Zusammenspiel aus Wahlstrategie, wirtschaftlicher Entwicklung und geopolitischen Ereignissen ab.

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