Vorübergehende Unterkünfte für Flüchtlinge: Wohncontainer

Das Geschäft mit Flüchtlingscontainern "Unverschämte Preise"

Deutschland steht mit dem Zustrom tausender Flüchtlinge pro Tag vor ungeahnten Herausforderungen. Eine der dringendsten ist die Beschaffung von geeignetem Wohnraum. Viele Kommunen greifen dabei auf Container-Lösungen zurück. Der Branche hat die Flüchtlingscontainer-Nachfrage einen überraschenden Boom beschert - mit drastischen Preissteigerungen.

Bereicherung an dem Flüchtlings-Schicksal ist ein Vorwurf, der in diesem Zusammenhang zunehmend laut wird. Einige Unternehmen haben ihre Preise mehr als verdoppelt, in Einzelfällen sogar vervier- bis verfünffacht. Verdienen am Elend anderer scheint nicht nur ein Privileg von Schleppern und Schleusern zu sein. 

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Preise zum Teil vervielfacht 

An und für sich sind Flüchtlingscontainer ein gute Lösung für vorläufigen Wohnraum. Die "Wohnbehälter" sind stabil und winterfest. Sie können innerhalb kurzer Zeit aufgebaut werden, lassen sich flexibel und modular kombinieren und bei Bedarf rasch wieder entfernen. Auch der Preis war bisher ein Argument. Rund 1.100 Euro pro Quadratmeter galten bis vor kurzem als gängig und akzeptabel. In vielen Fällen wollen die Kommunen die Container aber gar nicht kaufen, sondern lediglich mieten. Auch dafür wird inzwischen mehr verlangt. 

Nach Recherchen des Norddeutschen Rundfunks wurden die Preise in den letzten Monaten im ganzen Bundesgebiet spürbar angezogen. Zweistellige Steigerungsraten sind dabei fast die Regel, aber auch eine Vervielfachung wurde häufiger festgestellt. 1.100 Euro pro Quadratmeter erscheinen dagegen heute als geradezu illusorisch. Gemeindemitarbeiter sprechen sogar von unverschämten Preisen. Manche Gemeinde hat sich bereits vom Flüchtlingscontainer verabschiedet und sucht nach Alternativlösungen - zum Beispiel in Holzhäusern in Schnellbauweise. 

Verschiedene Erklärungsversuche 

Vertreter der Container-Branche wehren sich gegen den Vorwurf der schamlosen Ausnutzung einer Notlage. Sie verweisen auf gestiegene Zulieferer-Preise, höhere Kosten durch Mehr-Beschäftigung, Sonderschichten und die Erweiterung von Kapazitäten. Gestiegene Preise seien auch damit zu erklären, dass die Unternehmen vielfach über die reine Flüchtlingscontainer-Aufstellung hinaus  zusätzliche Aufgaben übernähmen.

Verdienen am Elend anderer scheint nicht nur ein Privileg von Schleppern und Schleusern zu sein."

So würden in vielen Fällen auch Fundamente, Strom- und Wasserleitungen, Zuwege, Abgrenzungen, Spielplätze usw. angelegt. Dies kann allerdings nur Preissteigerungen von zehn bis zwanzig Prozent begründen; Verdoppelungen, Verdreifachungen des Preises und mehr lassen sich dadurch kaum rechtfertigen. Tatsächlich - und das wird zum Teil auch zugegeben - ist die Preisentwicklung auch eine Folge des veränderten Verhältnisses von Angebot und Nachfrage. Binnen eines Jahres hat sich das Marktvolumen praktisch verdoppelt und jedes zweite Container-Projekt bezieht sich mittlerweile auf Flüchtlingscontainer.

Der Nachfragedruck dürfte erst einmal weiter anhalten. Die Preise werden daher hoch bleiben und auch "schwarze Schafe" unter den Anbietern sind sicher weiterhin zu finden. Für die ohnehin klammen Kommunen sind günstige Ersatzlösungen umso dringlicher. Auch in diesem Bereich wird freiwilliges Bürger-Engagement bei der Bereitstellung von Wohnraum nötig sein.

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