Steuerbelastung der Arbeitnehmer

Die Steuerlast wird immer höher Kalte Progression schlägt wieder zu

Der Bundesfinanzminister kann einen Steuereinnahmen-Rekord nach dem anderen verzeichnen. Die Überschüsse im Bundeshaushalt sind nicht nur den niedrigen Zinsen und der guten Konjunktur zu verdanken - ein wesentlicher Grund für die sprudelnden Steuerquellen ist die Steuerbelastung der Arbeitnehmer. Sie werden stärker zur Kasse gebeten als in früheren Jahren - wegen der kalten Progression.

In einer aktuellen Studie des Institutes der Deutschen Wirtschaft (IW) wird die Belastung stärker unter die Lupe genommen. Die Zahlen sprechen für sich. Das Aufkommen aus der Einkommensteuer ist seit Mitte des letzten Jahrzehnts um rund 80 Prozent größer geworden, obwohl die Löhne im gleichen Zeitraum nur um 20 Prozent gewachsen sind. Dementsprechend erhöhte sich auch der durchschnittliche Steuersatz. Bei normal verdienenden Singles (3.000 Euro brutto Monatseinkommen) ist er zum Beispiel von 16 auf 18 Prozent gestiegen, bei Besserverdienenden (6.000 Euro brutto pro Monat) sogar von 24 auf 27 Prozent.

Einkommensgrenzen wurden kaum geändert 

Die zunehmende Belastung überrascht angesichts mehrfach erfolgter Absenkungen des Eingangssteuersatzes, der Anhebung von Grundfreibeträgen und Anpassungen des Tarifverlaufs. Diese Maßnahmen waren offenbar nicht ausreichend, um die kalte Progression zu stoppen. Eine wesentliche Ursache dafür liegt nach Ansicht der IW-Forscher in den weitgehend unverändert gebliebenen Einkommensgrenzen, ab denen jeweils höhere Steuersätze gelten. Durch die Lohnerhöhungen im Zeitablauf rutschten dadurch immer mehr Arbeitnehmer in Zonen mit einer höheren Besteuerung. Dafür ist nicht einmal immer ein realer Lohnzuwachs erforderlich, oft genügt bereits eine nominale Lohnerhöhung, die nur die Inflation ausgleicht. 

Durch die Besteuerung profitiert der Staat derzeit mehr von der guten Wirtschaftslage als seine Bürger."

Der Staat profitiert mehr als seine Bürger 

Aufgrund der kalten Progression nähern sich Arbeitnehmer heute wesentlich schneller dem Spitzensteuersatz, als das in früheren Zeiten der Fall war. Aktuell genügt dafür, weniger als das Doppelte eines Durchschnittseinkommens zu verdienen. In den 1960er Jahren war dazu noch der 15fache Verdienst erforderlich, die Spitzenbesteuerung war allerdings auch höher. Dennoch ist festzustellen: Durch die Besteuerung profitiert der Staat derzeit mehr von der guten Wirtschaftslage als seine Bürger - eine eigentlich absurde "Schieflage". 

Vage Aussichten auf Entlastung 

Ob die Steuerbürger in absehbarer Zeit mit einer Entlastung rechnen können, steht einstweilen in den Sternen. Die Union verspricht im Vorfeld der Bundestagswahl Erleichterungen in Höhe von womöglich 15 Milliarden Euro in der nächsten Legislaturperiode. Zurückhaltender zeigt sich bislang die SPD, sie will eher bei den Sozialabgaben sparen, bietet aber noch wenig Konkretes. Was von solchen Ankündigungen nach der Wahl übrig bleibt, ist auch erstmal abzuwarten. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass Versprechungen von großartigen Steuersenkungen und Entlastungen in der Umsetzung eher bescheiden blieben.

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