Fast 60 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland arbeiten in einem mittelständischen Betrieb

Reine Größe schadet eher Mittelstand nicht genügend geachtet

Bundesfinanzminister Olaf Scholz wollte mit der Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank eine neue Großbank schaffen. Sein Kollege Peter Altmaier möchte mit seiner "Industrie-Strategie 2030" deutsche Großunternehmen vor chinesischen Übernahmen schützen. Die deutsche Finanz- und Wirtschaftspolitik schaut derzeit eher auf die Großen als auf die Kleinen.

Der Mittelstand fühlt sich vernachlässigt. Altmaier bekam das zuletzt deutlich zu spüren. Der Verband der Familienunternehmen bezeichnete ihn als "Totalausfall" und lud ihn demonstrativ nicht zu seiner Jahresveranstaltung ein. Kritik kommt aber auch von anderer Seite.

Der Mittelstand - ein stiller Riese

Das einzelne mittelständische Unternehmen mag neben Großkonzernen wie Volkswagen, Bayer oder Daimler eine "kleine Nummer" sein, in seiner Gesamtheit ist der Mittelstand eine Macht. 3,6 Mio. KMU (kleine und mittlere Unternehmen) gibt es hierzulande, das sind 99,6 Prozent der Unternehmen insgesamt. Darunter fällt der Handwerksbetrieb oder der selbstständige Händler "um die Ecke", genauso wie das mittelständische Industrieunternehmen mit bis zu 500 Beschäftigen oder 50 Mio. Euro Jahresumsatz.

Fast 60 Prozent der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland arbeiten in einem mittelständischen Betrieb. Ausbildung findet zu über 80 Prozent in KMU statt. Viele mittelständische Unternehmen sind Weltmarktführer in ihrem Bereich.

Warum die Großen im Blick sind

Trotzdem hat die Politik eher die Großen im Blick. Das ist nicht erst unter Altmaier oder Scholz so. Auch früher konnten sich angeschlagene Großunternehmen meist auf Hilfe von staatlicher Seite verlassen, wenn "es hakte". Das letzte markante Beispiel ist der Bankensektor im Zuge der Finanzkrise gewesen.

Aber auch die Automobilbranche durfte bisher immer auf freundliche Flankierung seitens der Politik zählen. Der Grund ist einfach: wenn ein einzelnes "systemrelevantes" Großunternehmen strauchelt, sorgt dies stets für große öffentliche Aufmerksamkeit. Geraten kleinere Unternehmen in Schwierigkeiten, sind das meist Meldungen für die Regional- oder Lokalpresse.

Eine Vernachlässigung des Mittelstands könnte sich irgendwann rächen."

Warum der Mittelstand wichtig ist

KMU sind Innovationstreiber und oft dynamischer und flexibler als die großen "Supertanker", die sich häufig träge zeigen, wenn es um neue Entwicklungen geht.

Gerade im digitalen Zeitalter eröffnen sich für kleine und mittlere Unternehmen Chancen. Bei innovativen Geschäftsmodellen zählt in der Regel mehr Qualität als schiere Größe - höchste Zeit, dass die Wirtschaftspolitik das erkennt.

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