Betriebswirtschaftlich sinnvoll - aber vertrauensschädlich

Verkauf von Altbeständen Verspielen Lebensversicherer die Altersvorsorge?

Altlasten versucht man möglichst kostengünstig loszuwerden - das sagt sich auch die Lebensversicherungsbranche. Der Verkauf von alten Lebensversicherungen in großem Stil bringt aber nicht nur Entlastung, sondern schadet auch dem Ruf.

Mit Generali und der Ergo haben gleich zwei Marktschwergewichte für Aufsehen gesorgt, seit sie sich auf die Suche nach Käufern für ihren Lebensversicherungsbestand gemacht haben. Als Investoren kommen professionelle Abwickler in Frage, die zunehmend auch in Deutschland aktiv werden. Dahinter stehen amerikanische Hedgefonds, chinesische Investoren und britische Großanleger.

Betriebswirtschaftlich sinnvoll - aber vertrauensschädlich

Bei den Verkäufen geht es nicht um irgendwelche "No Names". Die Generali Leben ist u.a. aus der früheren Volksfürsorge hervorgegangen. Die Victoria Leben der Ergo galt einst als vornehmste deutsche Lebensversicherung und die Ergo Leben ist den meisten Deutschen noch unter ihrem früheren Namen Hamburg-Mannheimer bekannt. Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer war lange das Werbegesicht der Branche schlechthin. 

Betriebswirtschaftlich macht der Verkauf Sinn. Hohe Zinsgarantien aus der Vergangenheit drücken auf die Ertragslage und die Altbestände binden viel Eigenkapital. Neugeschäft kommt sowieso nicht mehr zustande, seit man sich von der klassischen Kapitallebensversicherung mit Zinsgarantie verabschiedet hat. Der Verkauf würde dagegen neue Spielräume eröffnen. Ob die Transaktionen für die Kunden "spurlos" vonstatten gehen werden, ist eine andere Frage. Zwar wird versichert, dass die vertraglichen Vereinbarungen nicht berührt werden. Doch vielfach besteht die Befürchtung einer schlechteren Behandlung bei den Abwicklern, die an diesem Geschäft schließlich verdienen wollen. 

Vetrauensbildend ist der Verkauf sicher nicht - denn die Versicherten haben sich bei Vertragsabschluss darauf verlassen dürfen, dass sie bis zum Vertragsende durch den Anbieter begleitet werden. Der Abschied von der Lebensversicherung alten Stils bedeutet auch ein Stück weit Aufgabe der Branchenposition bei der privaten Altersvorsorge.

Hohe Zinsgarantien aus der Vergangenheit drücken auf die Ertragslage und die Altbestände binden viel Eigenkapital." 

Die Kapitallebensversicherung war über Jahrzehnte das Vorsorgeprodukt schlechthin. Ihr Ruf hat in der andauernden Niedrigzinssituation bereits schwer gelitten, jetzt versetzen die Versicherer praktisch selbst dem Produkt den "Todesstoß". Der Verkauf ist quasi die Beerdigung.

Konkurrenz droht - auch vom Staat 

Das dadurch entstehende Loch muss erst einmal gefüllt werden. Lebensversicherungen ohne Zinsgarantie konnten bisher nicht an die alte Kapitallebensversicherung "andocken". Sie bieten zwar mehr Ertragschancen, besitzen aber auch ein größeres Risiko. Dabei ist Sicherheit in der privaten Altersvorsorge Trumpf. Viele Verbraucher stören sich auch an der nach wie vor bestehenden Intransparenz vieler Produkte, insbesondere was die Kosten betrifft.

Und es gibt Alternativen am Markt, zum Beispiel ETF-Sparen. Last but not least muss die Branche auch Konkurrenz durch den Staat fürchten. Die Idee einer Deutschlandrente könnte in einer Jamaika-Koalition Wirklichkeit werden.

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