Kurs-Gewinn-Verhältnisse im Schnitt deutlich gestiegen

Niedrigzinsen zwingen zum Umdenken Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) recht hoch

Bei der Identifizierung geeigneter Aktien für Investments spielt seit jeher die Kennzahl Kurs-Gewinn-Verhältnis - kurz KGV - eine wichtige Rolle. Im aktuellen Börsengeschehen scheinen die Kurse den Unternehmensgewinnen ein Stück weit davonzulaufen. Ist das ein Signal, sich jetzt bei Börsenengagements zurückzuhalten?

Aktienkurse spiegeln - zumindest in der Theorie - die Erwartungen der Börse an die Zukunft eines Unternehmens wider. Gute Gewinnaussichten schlagen sich in steigenden Kursen nieder, umgekehrt sieht es bei schlechten Perspektiven aus. Wenn die Kurse überproportional stark über den Gewinnen liegen, spricht dies in der traditionellen Börsenanalyse für eine Überbewertung, ist das Verhältnis niedrig, könnten Aktien unterbewertet sein.

Allerdings ganz so einfach haben es sich Börsenanalysten auch in der Vergangenheit nicht gemacht. Es zählt nicht nur der reine "Messwert", sondern man schaut schon tiefer hin. Ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis kann zum Beispiel dadurch begründet sein, dass die aktuelle Ertragslage eines Unternehmens zwar positiv ist, die Gewinnaussichten aber schlecht sind. Dann ist ein niedriges KGV durchaus marktkonform. 

Kurs-Gewinn-Verhältnisse im Schnitt deutlich gestiegen 

Mit Blick auf die durchschnittliche KGV-Entwicklung  wäre bei Börseninvestments derzeit eher Zurückhaltung angesagt. Denn das KGV bewegt sich im langjährigen Vergleich bei vielen Aktien in ungewöhnlichen Höhen. Bei den DAX-Werten erreicht die Kennzahl aktuell einen Wert von 19, vor fünf Jahren waren es 17 und vor zehn Jahren noch 10. Das heißt, heute sind die Kurse im Schnitt 19mal höher als die Unternehmensgewinne, vor einer Dekade lagen sie lediglich zehnmal so hoch. Warum ist das KGV so stark gestiegen und zeigt sich darin eine Überbewertung? 

Für den Trend zu steigenden Kurs-Gewinn-Verhältnissen gibt es eine Erklärung: die niedrigen Zinsen."

Für den Trend zu steigenden Kurs-Gewinn-Verhältnissen gibt es eine Erklärung: die niedrigen Zinsen. Angesichts der Niedrigzinspolitik und der Geldmengenausweitung vieler Notenbanken wurde den Börsen weltweit in den letzten Jahren viel freie Liquidität zugetrieben, die die Kurse stärker ansteigen ließ als die Gewinne. Dieses Phänomen ist nicht nur bei Aktien zu beobachten, sondern auch in anderen Anlageklassen. Ein Beispiel dafür ist der Immobilienmarkt. Auch hier sind die Preise stark gestiegen mit der Folge sinkender Immobilienrenditen. 

Eher Zeichen für Marktmechanismus als für Fehlbewertung 

Es spricht daher einiges dafür, dass sich in den höheren Kurs-Gewinn-Verhältnissen auch die gestiegene relative Vorteilhaftigkeit von Aktieninvestments im Verhältnis zu verzinslichen Anlagen zeigt. Das deutet eher funktionierende Marktmechanismen als Überbewertungen an. Von daher sollten steigende Kennzahlenwerte in ihrer Aussagekraft nicht überschätzt werden. Interessanter als die Untersuchung der KGV-Entwicklung des Gesamtmarktes dürfte die Betrachtung der Entwicklung bei einzelnen Aktien im Verhältnis zum Marktschnitt sein. Hier bestehende Abweichungen sind ggf. bessere Indizien für eine Unter- oder Überbewertung.

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