Nicht mehr individuelle Handarbeit Vermögensverwaltung als Plattformgeschäft
Plattformen ersetzen nicht die Vermögensverwaltung. Sie standardisieren ihren Maschinenraum.
Vermögensverwaltung verändert sich still, aber grundlegend. Lange stand ein Standardmandat neben individueller „Handarbeit“ für sehr große Vermögen. Heute rückt ein drittes Modell in den Vordergrund: die Plattform. Sie verbindet Individualisierung mit industrieller Umsetzung. Das Ergebnis ist ein Produkt, das sich personalisieren lässt und zugleich skalierbar bleibt.
Der Kern der Entwicklung liegt in einer einfachen Verschiebung. Nicht mehr das einzelne Portfolio ist die Einheit. Die Einheit ist das System, das Portfolios in großer Zahl steuert.
Plattformlogik im Wealth Management
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Eine Plattform organisiert drei Ebenen gleichzeitig.
Erstens die Auswahl der Bausteine.
Zweitens die Regeln, nach denen Bausteine kombiniert werden.
Drittens den Betrieb, also Überwachung, Rebalancing und Reporting.
Damit wird Individualisierung planbar, weil sie innerhalb definierter Leitplanken stattfindet.
Ein Beispiel ist der Trend zu modularen Mandaten.
UBS beschreibt „UBS My Way“ als Baukasten mit rund 80 Modulen und einem Mindestanlagebetrag im Bereich von 500.000 Euro.
Diese Architektur ist typisch: begrenzte Module, klare Regeln, laufende Betreuung.
Bausteine, Regeln, Leitplanken
Plattformen ersetzen nicht die Vermögensverwaltung. Sie standardisieren ihren Maschinenraum. Individualisierung wird dadurch zu einer Auswahlentscheidung, nicht zu einer Sonderanfertigung. Das wirkt unspektakulär, ist aber entscheidend für Kosten und Qualität.
Typische Bausteine und Steuergrößen sind:
- Module für Regionen, Stile, Themen, Anleihen, Liquidität und Absicherung
- Gewichtungen mit Bandbreiten, statt starrer Quoten
- Restriktionen wie Ausschlüsse, Konzentrationsgrenzen, Währungsrahmen
- Risikosteuerung über Zielrisiko und Verlusttoleranzen
- Rebalancing-Regeln, die Abweichungen systematisch zurückführen
Je klarer diese Leitplanken sind, desto eher bleibt ein Portfolio konsistent. Ohne Leitplanken wird Individualisierung schnell zur Ansammlung unverbundener Präferenzen.
Betrieb, Daten, Kontrolle
Vermögensverwaltung als Plattformgeschäft macht Individualisierung skalierbar, weil sie auf standardisierten Modulen und Regeln basiert. Beratung wird dadurch nicht überflüssig, aber anders: Sie steuert Präferenzen, Leitplanken und Zielkonflikte, während die Plattform den Betrieb industrialisiert."
Plattformgeschäft heißt auch: Betrieb schlägt Idee. Ein System muss Kursbewegungen, Dividenden, Ein- und Auszahlungen, Steueraspekte und Restriktionen laufend berücksichtigen. Gleichzeitig muss nachvollziehbar bleiben, warum das Mandat so aussieht, wie es aussieht. Das ist nicht nur Komfort. Es ist Governance.
Hier zeigt sich auch, warum reine Digitalmodelle oft an Grenzen stoßen. In den letzten Jahren hat sich der Markt stärker in Richtung hybrider Modelle bewegt, bei denen Technologie und menschliche Betreuung zusammenarbeiten. Das wird selbst bei großen Häusern sichtbar, die reine Robo-Angebote zurückfahren und stärker auf betreute, skalierbare Mandate setzen.
Segmentierung und Skalierung
Plattformen sind besonders attraktiv, wenn eine Bank mehrere Kundensegmente bedienen will, ohne für jedes Segment eine eigene Produktwelt zu bauen. Ein modularer Kern lässt sich über Mindestbeträge, Servicelevel und Beratungsintensität staffeln. Damit wird ein Angebot, das zunächst für sehr große Vermögen gedacht war, schrittweise in breitere Segmente ausdehnbar.
Parallel wächst der Druck durch veränderte Erwartungen: mehr Transparenz, mehr Anpassbarkeit, schnellere Reaktion, bessere digitale Interaktion. In vielen Analysen wird zudem Personalisiertes Investieren, etwa über Direct Indexing, als struktureller Wachstumspfad beschrieben. Plattformen sind die Infrastruktur, um diese Personalisierung in den Betrieb zu übersetzen.
Risiken und Grenzen
Plattformlogik löst nicht jedes Problem. Drei Grenzen sind typisch. Erstens die Gefahr der Scheingenauigkeit: Viele Module erzeugen den Eindruck vollständiger Kontrolle, obwohl Märkte unsicher bleiben. Zweitens das Komplexitätsrisiko: Restriktionen können sich gegenseitig blockieren und unerwartete Konzentrationen erzeugen. Drittens die Erwartungslücke: Individualisierte Mandate weichen stärker von Standardindizes ab, und das muss kommunikativ getragen werden.
Fazit
Vermögensverwaltung als Plattformgeschäft macht Individualisierung skalierbar, weil sie auf standardisierten Modulen und Regeln basiert. Beratung wird dadurch nicht überflüssig, aber anders: Sie steuert Präferenzen, Leitplanken und Zielkonflikte, während die Plattform den Betrieb industrialisiert.
Ich glaube, dass Menschen, die sich ihrer Ziele und Werte bewusst werden, sorgenfreier leben.











